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Er und sie. Beide sind. Irgendwie.

Sie ist sein Deckmäntelchen, wenn er sich vor sich selbst verstecken will. Sie ist sein Wunder, wenn er nicht mehr an Wunder glauben will. Sie ist sein erster Gedanke, morgens, und sein letzter, abends, kurz vor dem Einschlafen. Sie ist für ihn wie das Onanieren für einen Jugendlichen. Ohne kein Einschlafen. Sie ist wie das erste Mal Mann sein. Sie ist für ihn einfach alles. Sie ist das gute Gewissen, das ihn vor schlechten Entscheidungen erfolgreich warnt. Sie ist wie ein Schutzengel, wenn er nicht auf das gute Gewissen gehört hat. Sie ist überall versteckt, in seinen Tränen, in seinem Lächeln, in seinem wunderbar idyllischen Alltagstrott. Sie ist wie alles, was er im Leben erreicht hat. Und sie ist das einzige, das von den erreichten Dingen, wirklich etwas wert ist.
Er ist wie das Aufgeben aller ihrer Hoffnungen auf Besserung ihrer Lebensumstände. Er ist wie das Gesicht auf Wahlplakaten, die ihr nicht einmal was versprechen und auch nicht auf sie hören würden. Er ist für sie Makkulatur und Bedrängnis. Er ist für sie wie der tausendste teure Anruf bei einem Fernsehquiz, der ohnehin nur in der subtilen und immer wiederkehrenden Bandansage gipfelt. Er ist wie ein Computervirus, der ihre wichtigsten Daten löscht. Er ist für sie das Bewusstsein, dass alles schlimmer wird, es ist es war. Er ist für sie, wie die Diagnose einer schweren Krankheit. Und er ist wie das Ende ihrer Jugend und die erste Falte in ihrem Gesicht.
Er liebt es, wenn er morgens aufsteht und ihre schlafenden Füße an seinen Füßen spürt. Er hofft jedes Mal, wenn er auf ihren Brustkorb sieht, dass er sich auf und ab hebt. Er bringt ihr, vor allem sonntags, Frühstück ans Bett und hofft, sie würde nicht nur aus Höflichkeit und Respekt vor seinen Gefühlen ‚danke’ sagen. Und er hofft bei jedem Lächeln von ihr, dass er der Grund dafür ist. Er schläft mit ihr nicht mehr so oft wie früher, aber er hat noch immer Angst, dass sie an jemand anderen denkt. Er begeht Selbstmord, denkt er sich, an dem Tag, wenn sie nicht mehr nach Hause kommt.
Sie hasst es, jedes Mal seinen verschwitzten und schlecht riechenden Körper neben ihn zu riechen. Sie hat es sich angewöhnen können, durch den Mund zu atmen während sie schläft, damit sie sich nicht ständig übergeben muss. Sie kann das, nur aufgrund der bloßen Vorstellung. Sie hasst es, wenn er so freundlich und komplimentfreudig ihr gegenüber ist. Sie weiß dann nicht, was sie davon halten soll. Sie will nicht, dass er sie streichelt und zärtlich berührt. Sie lässt es nur zu, weil sie weiß, dass ihn das sonst kränken würde. Sie hasst seine Anhänglichkeit und hofft manchmal, dass er einfach weg ist.
Er hat sie nur einmal angesehen und wusste, dass sie es ist. Er wollte nie mehr andere Lippen küssen und in anderen Augen die Tiefe messen. Er glaubte immer schon an Liebe auf frühe Blicke. Er fühlte sich wie der Mensch auf Erden, der am wenigstens sterblich war. Und im nächsten Moment hatte er Angst, dass er dies nicht lange bleiben würde. Doch als sie ‚ja’ sagte, wusste er, dass er nie wieder einsam sein würde. Davon hatte er immer schon am meisten Angst. Er hat oft Angst. Angst, um sich selbst, Angst um sie.
Sie hasst sich selbst, dass sie ihn geheiratet hat. Sie hasst diese ewig erscheinende Zeit der Ehe, diesen Missbrauch ihrer Existenz als Frau. Sie hasst ihn, vom ersten Augenblick an. Sie hasst ihn so sehr, weil sie immer das Gefühl hatte, dass er Mitleid mit ihr hatte, er ihr helfen müsse. Sie brauchte und braucht niemand, der ihr das Gefühl gibt, sie wäre nicht alleine. Das ist alles bloß sinnlos für sie. Denn Liebe ist für sie nicht viel mehr als nichts. Er begeht Selbstmord, denkt er sich, an dem Tag, wenn sie nicht mehr nach Hause kommt. Sie musste doch bloß einmal raus. You’re killing me.
25.9.06 13:42
 


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