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Perfektion

Du überlegst und kommst zu dem Entschluss, dass alles perfekt sein sollte. Du bist verliebt, du liebst und du wirst geliebt und es ist immer dieselbe Person, um die es geht. Du glaubst ihr alles, wenn sie es sagt und du in ihren tiefen Augen versinkst. Du hast den schon verloren geglaubten Funken Hoffnung an die Liebe und deren Existenz zurück gewonnen und glaubst wieder an das Schöne, das Versprechen. Und du bemühst dich unter Leibeskräften, jedes Versprechen, das du gibst, zu halten und es gelingt dir jedes Mal, auch wenn es schwer ist. Weil du einfach alles, was der Erfüllung im Wege steht, entfernst, nur damit du ihr zeigen kannst, dass man dir Vertrauen schenken kann. Und man kann dir Vertrauen schenken, weil du einfach an keine andere mehr gedacht hast, seit dem du sie kennst. Jedes Mal, wenn du sie siehst, weißt du, dass du auch gar nicht an eine anderen denken könntest, weil sie dir einfach so viel Schönes gibt und bietet. Du denkst die ganze Zeit an sie und dein Herz rast, wenn sie anruft oder sich per SMS meldet. Du freust dich, wenn dein Handy läutet und bist fast ent-täuscht, wenn es ‚nur’ dein bester Freund ist, der sich gerade mal wieder meldet, um nach Neuigkeiten zu fragen. Und jede Neuigkeit betrifft immer sie. Du hast es jedem schon zehn Mal gesagt, dass es ihr gut geht, weil du dich einfach so freust, wenn es ihr gut geht. Du würdest echt alles für sie machen. Und du vertraust ihr, weil sie dir dasselbe Gefühl gibt. Du weißt, dass sie das Beste ist, was dir passieren hat können. Sie ist dein Netz, wenn du fällst. Sie hat dich gefunden, als du am Boden warst, hat dich aufgehoben und in die Luft gestreckt. Du weißt, dass sie das alles gemacht hat, weil sie dich liebt. Sie hat dir gesagt, dass sie dich liebt.
Und doch hast du immer Angst, dass sie dich verlässt und nicht mehr mag. Bei jedem Wort, was du sagst, passt du auf, dass sie nicht böse auf dich ist. Du gibst so Acht, aber es lässt sich halt nicht vermeiden, dass sie halt mal böse ist. Du kannst nicht einschlafen, wenn du weißt, dass sie leicht verärgert ist und du flehst um Vergebung. Manchmal denkst du dir, dass sie dich nicht mehr will. Du hasst es, wenn sie in die Locken anderer fährt und du hasst es, wenn sie dir erzählt, wer einmal ihr Traumtyp war. Du willst es nicht hören, auch wenn sie danach sagt, dass du jetzt ihr Traumtyp bist. Du hasst es, wenn sie fort ist und zu viel Spaß hat, wenn du Männerstimmen im Hintergrund hörst. Du hasst es, wenn sie fort ist und keinen Spaß hat, weil du die Schuld immer bei dir siehst. ‚Weil sie nicht mit Männern tun kann, was sie will.’ Aber dann denkst du nach und weißt, dass das ein Blödsinn ist. Weil sie dich ja liebt, wie sie sagt. Und du vertraust ihr. Auch, wenn dich die Eifersucht umbringt. Aber du liebst es zu leiden. Deswegen hast du ja so viel gelitten, bevor sie kam. Du rufst sie an, wenn sie fort ist und hörst eben diese Männerstimmen, Gegröle und Lärm. Und du verbringst zwei Stunden damit, dich zu beruhigen und rauchst, weil das hilft. Du liegst zuhause im Bett, von Sorgen geplagt und dann läutet dein Handy. Freude, Erwartung. Du siehst auf das Display und liest ihren Namen und sie weint ins Telefon. Sie sagt, sie will heim. Du zitterst, dein Herz rast und du hast so Angst, dass ihr was passiert ist, dass euch was passiert ist. Es ist was passiert, sie hat etwas verloren, sie hat keinen Spaß, ihre Freundinnen ignorieren sie. Das ist schlimm, sehr schlimm. Du wünscht dir nichts sehnlicheres, als bei ihr zu sein. Wie immer, aber doch noch stärker als sonst. Du willst ihr das Gefühl geben, dass du bei ihr bist, dass sie nicht allein ist, dass sie wunderschön ist und gebraucht und geliebt wirst. Du kaufst ihr das, was sie verloren hat, noch einmal. Du willst einfach für sie da sein. Du lenkst im Telefonat ab. Erzählst von dir und fragst sie nach schönen Dingen. Du beruhigst sie. Du sagst ihr, was sie tun kann, damit es ihr besser geht. Du versuchst einfach, da zu sein für sie. Und sie hört auf zu weinen, sie lacht sogar manchmal und du weißt, dass du ein guter Freund bist. Du gibst ihr wieder einen Grund, dass sie dir vertraut. Du fühlst dich zwar schlecht, weil es ihr nicht besonders gut geht, aber du weißt, dass sie sich sicher ist, dass du gut auf sie aufpasst. Denn das tust du. Du sagst ihr, dass du sie liebst. Das braucht sie jetzt. Sie sagt, dass sie dich auch liebt und dass sie will, dass ich bei ihr bin oder dass sie bei mir ist. Ich erzähle ihr von der Schönheit des Wiedersehens in zwei Tagen. Dass du sie festhältst und sie küsst. Und du weißt, dass alles doch perfekt ist, denn du hast eine Frau getroffen, für die du alles machen würdest. Und du weißt, dass du sie immer lieben wirst. Und wenn du früher noch gedacht hast, dass es nur wichtig ist, dass du sie liebst und nicht sie dich, dann hast du zwar noch immer recht, aber du weißt es ganz genau: würde sie dich nicht mehr lieben, würdest du gerne tot sein.
17.8.07 02:25
 


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