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Gedanken

Am Anfang steht der Tod. Danach lange nichts. Zu lange. Keine Schönheit, kein Gefühl, kein Funkeln in keinen Augen. Weil du dich einfach leer fühlst. Und du wünscht dir nur mehr, dass du stirbst, weil du glaubst, dass der Tod dich erlöst, weil er die Antwort auf alle ungelösten Fragen ist. Und je länger du darüber nachdenkst, desto mehr verwandelt sich der Glaube daran in ein schon immer da gewesenes Wissen. Und jedes auch noch so schöne und dunkle Augenpaar, das dich ansieht, hat jegliche Bedeutung verloren. Du haltest Schönheit auch nicht mehr für existent. Früher hast du Schönheit noch ganz schön definieren können. Schön ist jemand, bei dem man wünscht, er wäre hier, wenn er nicht hier ist. Und wenn er hier ist, wünscht man sich, er wäre fort, damit man sich wünschen kann, er ist hier. Schönheit war für dich immer gleich Sehnsucht. Aber jetzt spürst du einfach gar nichts mehr. Du interpretierst in kein Augenbrauenzucken mehr die große Liebeserklärung hinein, weil du dir sicher bist, dass Liebe keine Utopie mehr ist, sondern etwas Gelebtes, mit dem man jeden Tag konfrontiert ist.
Und wenn du genau darüber nachdenkst, wünschst du dir, dass du so wärst wie früher. So verliebt und auch naiv. Aber dann bist du dir sicher, dass du schon zu lange darüber nachdenkst, was früher war, so dass du ganz vergessen hast, dass das Leben auch weitergeht, wenn man an Vergangenes denkt. Aber Leben ist für dich nichts mehr. Du siehst das Leben als einen Zustand an, so wie Schule. Du weißt, du musst dies und jenes jetzt machen, aber es ist nicht das endgültige Ziel. Denn das, so weißt du ja, ist der Tod. Und du setzt alle deine Hoffnungen in diesen Tod, weil er, wie du festgestellt hast, die Lösung ist. Und während du über deinen Tod und den allgemeinen Zerfall nachdenkst, fällt dir wieder die Vergangenheit ein. Und dir fällt viel mehr ein, als dir oft am nächsten Tag eingefallen ist. Du erinnerst dich daran, wie es war, als du zum ersten Mal ein Mädchen geküsst hast und dir fällt nach Jahren wieder der Name ein. Wie du in ihren kräftigen Armen dann eingeschlafen bist und für sie mehr mütterliche als sexuelle Gefühle hattest. Du erinnerst dich an deine erste Liebe, an den Schmerz, als sie mit deinem besten Freund dann zusammen war. Du erinnerst dich daran, wie alles, was um dich existiert hat, angefangen hat zu altern. Wie der Baum, der vor dem Haus deiner Eltern stand, immer wieder neue Blüten bekam. Jedes Jahr. Und du erinnerst dich daran, dass du geweint hast, als er zu groß wurde und abgesägt wurde. Du liegst im Bett und drückst dein Kopfkissen ganz nah an dein Gesicht, um dich zu verstecken, weil es dir peinlich ist, um einen Baum geweint zu haben. Du erinnerst dich an alles, wie es in Häusern roch, in denen du nur einmal warst. An das Gebell des Hundes, der deinen Freund fast tot gebissen hat. Und du liegst so da und weißt nicht, woran du denken sollst, damit du die Tränen aus deinen Augen bekommst. Du willst nicht weinen, obwohl keiner da ist, der dich auslachen könnte. Du denkst an den Tod. Überlegst, was wäre, wenn du heute Nacht stirbst. Und obwohl du weißt, dass es immer jemanden geben wird, der um dich trauert, bist du fest davon überzeugt, dass es gar keiner wird wissen wollen. Und auf einmal willst du weinen, denn du würdest es ungepasst finden, wenn du jetzt lachen würdest. Besser klug und leise geweint, als blöd und laut gelacht. Und du schaust auf die Uhr in deinem Zimmer und zählst die Sekunden mit und dann fragst du dich, wie du es hast aushalten können, so viele Jahre, so viele Sekunden. Und alles ist leer in dir. Und du hast Angst, dass du dich selbst verlierst. Denn du weißt, dass du das einzige bist, was du noch nicht verloren hast. Aber in deinen Gedanken bist du schon wieder ganz weit weg und verlierst dich jede Sekunde mehr.
16.5.06 21:45





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